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Anfang Juni 2005 erlebte ich das wohl dreckigste Konzert meines Lebens. Die Hellacopters hatten in den Berliner Knaack Club geladen. Eine Show der schwedischen Rock'n'Roll-Tiere im kleinen Rahmen konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Das Hingehen lohnte sich, der Gig hinterließ olfaktorische Eindrücke allererster Güte.

Noch nie hatte ich solch Schweiß- und Bierschwangere Luft erlebt, und das, obwohl ich die Höllenschrauber schon vorher live gesehen hatte. Der Raum war erschüttert von hundertfacher Testosteronüberproduktion, die Hellacopters waren ganz klar die Kings of Rock. Und jetzt, etwas mehr als zwei Jahre danach, ist Schluss.

Gestern verkündete die Band um Frontmann Nicke Andersson ihre Auflösung. Ein neues, noch unbetiteltes Album ist so gut wie im Kasten und soll Anfang 2008 ganz regulär auf den Markt kommen. Und natürlich gibt es, soviel sehen sich die Fünf ihren Fans schuldig, eine Abschiedstour. Ein Pflichttermin!

Ob es in Zukunft mehr von den diversen Seitenprojekten (Nicke betreibt nebenher das Soulrockprojekt The Solution und die Deathmetalcombo Death Breath, Gitarrist Robert Dahlqvist hat seinen Thunder Express) gibt, bleibt abzuwarten.

"plug in to success" empfiehlt die diesjährige popkomm. ein großteil der musikalischen landschaft pilgert daher nach berlin und sucht den passenden anschluss.

die sympathischen menschen von under the stars, me nehmen das zum anlass ein paar ihrer bands bei ihrem klang klang klang festival zu präsentieren, darunter auch drei schwedische acts. nicht, dass es schwedischen musikern an anschluss mangeln würde. gerade dieser herbst hält unglaublich schöne melancholische indierock und popmusik bereit.
den heutigen auftakt bestreitet im rosis's neben landscape izuma, ter haar und a life a song a cigarette auch der göteborger björn kleinhenz mit band.
morgen geht es im schokoladen weiter mit the je ne sais quoi und the book of daniel (und condre scr).
jeder abend kostet erschwingliche sieben euro und das kombiticket 15 (im vorverkauf). für das kombiticket gibt es noch am 22.09. einen dritten musikabend im nbi, allerdings ohne skandinavische beteligten.

und als wäre berlin in diesen tagen und grundsätzlich nicht schon genug mit guten konzerten gesegnet, spielen heute im zapata the soundtrack of our lives und division of laura lee im rahmen der swedish independent night auf, während sich josé gonzález zeitgleich im bang bang club verdingt. wohl dem der auf dem land lebt und von so einem abend nur träumen kann.

mit "our ill wills" haben die shout out louds ein super sommer-album vorgelegt dessen einziges problem darin lag, dass es keinen sommer gab. wer nicht schon im april bei schönstem sonnenschein mit seinem herzmensch an einem platz in der sonne lag und diesen herrlichen zwölf lieder lauschen durfte, dem entging ein stück vom glück. in der trüben regenbrühe der folgenden monate konnten die lieder aber auch so wachsen.

nun künden die ersten sonnenstrahlen vom bevorstehenden goldenen herbst und die spatzen pfeifen schon länger die tourdaten der schweden (siehe unten) von den dächern. welche zauberhafte stimmung die schweden erzeugen setzt bassist ted malmros im video zu "impossible" rund um gröna lund, einen vernügungspark auf der insel djurgården, sehr gelungen um:


tourdaten:
* 18.09. köln, prime club
* 19.09. münchen, backstage
* 22.09. erlangen, e-werk
* 24.09. heidelberg, karlstorbahnhof
* 27.09. dresden, messehalle
* 28.09. leipzig, arena
* 29.09. hamburg, reeperbahn (reeperbahnfestival 2007)
* 30.09. regensburg, donau arena
* 01.10. berlin, postbahnhof

einmal mehr beweist josé gonzález sein gespür für gelungene lieder anderer musiker, denen er in neuem gewand ein völlig eigenes leben einhauchen kann. "heartbeats" liegt noch in den ohren? dann kuschelt sich nun "teardrops" dazu:

josé gonzálezteardrop

schon wieder ein video und schon wieder melancholie. da kündigt sich offenbar der herbst an. nach dem gefühlten sommer im april haben sich die blätter noch recht lang an den bäumen gehalten, doch einige beginnen nun ihr blätterkleid abzulegen. im august. dementsprechend gerät pop wieder in den hintergrund und herzmusik tritt hervor.

manchmal geschieht dies auch etwas unerwartet. the soundtrack of our lives werkeln nach einer kleinen pause gerade an origin vol. 2, das dieses jahr noch erscheinen soll und dabei muss die herren mattias bärjed, niclas stenholm und ebbot lundberg wohl die sehnsucht nach leisem gepackt haben. ergebnis ist ein song für die schwedische serie "upp till kamp": coming down cold


noch mehr melancholie demnächst.

(via swedesplease)

zu loney dear wird es in den kommenden monaten sicher noch einiges zu erzählen geben. den anfang bestreitet der emil svanängen selbst:


(direktemil)

der fitnesswahn ist etwas, was sich mir nur gedanklich erschließt und das auch nur mit mühe. nach einem gescheiterten versuch das joggen zum alltagsereigniss hochzustilisieren konzentriere ich mich zur zeit auf den kneipensport (z.b. pingpong in der kantine). einen interessanten ansatz bietet einmal mehr stockholm und södermalm im speziellen.
im vintervikens trädgård findet einmal in der woche indiegympa, die indie-gymnastik, statt. dabei handelt es sich um eine fitnesseinheit deren übungen sich an "klassische" musikvideos anlehnen, musikalisch untermalt von "alternativ pop" - was in schweden populäre gruppen wie the smiths, belle & sebastian oder sämtliche twee-pop-musiker umfasst.

wer sich gerade in stockholm befindet und passende klamotten zur hand hat, ist hier richtig. die nächsten termine sind der 23. und 30. august jeweils 18 uhr.

(via dagens nyheter)

nicht nur, wenn es um musik geht, sind die schweden und ihre skandinavischen nachbarn ganz weit vorne, auch stylemäßig machen sie der zentraleuropäischen kartoffel gerne mal was vor. und so gehen schwedophile indiekids nicht ohne das totenkopfäffchen von cheap monday aus dem haus (den mädels sei an dieser stelle das schicke dänische modelabel nümph empfohlen). aber was kommt an die füße? diese schwierige frage beantworten puma und die stockholmer schuhfetischisten von sneakersnstuff mit ihrem clyde-modell. traditionelle farbgebung der nordskandinavischen samen-tracht trifft auf (peta-freunde weghören) rentierleder und macht einen ziemlich funky schuh. natürlich ist das teil limitiert as fuck, darum verrat ich jetzt auch nicht, wo es den gibt!

es gäbe sicher viele künstler aus schweden, mit denen ich hier anfangen könnte. ganz im speziellen wären das hello saferide / säkert!, i'm from barcelona oder peter bjorn & john. alle gesehen und von allen verzaubert worden. ganz besondern natürlich von frau norlin. notiz an mich: immer ein paar socken dabei haben um der dame die angst vor meinen füßen zu nehmen!
dennoch widme ich mich hier robyn.
die wasserstoffplonte stockholmerin ist trotz ihrer 28 jahre schon ein alter hase im musikgeschäft. seit 13 jahren verfolgt die das was man gemeinhin karriere nennt und erlebte mit singles in den us-top-10 höhen und zurückgehaltenen alben seitens der plattenfirmen auch ein paar tiefen. viele sahen in ihr eine schwedische britney oder die skandinavische antwort auf das genie in der flasche, was früher oder später zu problemen führen musste. in jungen jahren eignete sich robyn sicher mangels erfahrung zu einer hübschen marionette, aber man unterschätzte offenbar ihren charakter.
da einige dinge nicht wunschgemäß verliefen kaufte sich die musikerin aus ihren verträgen frei, gründete einen eigenen verlag, konichiwa records, und landete prompt mit der ersten veröffentlichung und gleichzeitig ihrem vierten album auf platz eins der schwedischen charts. fm4 feiert die frau, ebenso wie laut.de. auch perez hilton drückt seine wertschätzung aus und ich bin mir sicher, dass da noch einige dazu kommen werden. denn das selbstbetitelte album enthält feinsten pop, der von breakbeats, hiphop und techno bis hin zu klavierballaden ein breites spektrum abdeckt und dabei so elegant charmant zitiert, dass es einem wohlig ums herz wird. ja, es ist harmlos, es tut niemanden weh, auch wenn manchmal jungs eine abfuhr erhalten ("bum like you") oder die sängerin ihr ego auf hochglanz poliert ("konichiwa bitches"). trotzdem unterhält "robyn" auf eine art und weise wie es nur wenigen popalben gelingen mag. man erwischt sich beim mitsummen und schämt sich nicht dafür. außerdem besitzen sehr viele lieder ein eigenes spannendes potential. aus dem aufgeregten dringlichen "be mine!" kann dann mal eben ein melancholisch eindringliches werden:


(direktmein)


und weil mich das gesamte album mit jedem durchlauf immer mehr begeistert, erhält robyn heute den vorzug. außerdem ist nun der druck des ersten eintrags überstanden...

offizielle homepage: robyn
myspace


 

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