Der Moderator Bad_Mongo des Turbojugend World Forum meldet dort: Gitarrist Rune Rebellion steigt bei Turbonegro aus. Rune Grønn, wie der bärtige Axtschwinger der Deathpunks aus Oslo mit bürgerlichem Namen heißt, spiele am kommenden Samstag in Stavanger seine letzte Show mit den übrigen Turbonegern. Dennoch bleibe er im Management für die Band tätig. Die Visions mutmaßt wild, Grønn (dort nur mit einem n bedacht) sei wohl zu alt zum Rocken. Dass dem nicht so ist, dürfte jedem aufgefallen sein, der TRBNGR einmal live gesehen hat. Ich selbst durfte das Gründungsmitglied der Band 2005 interviewen, und dort machte er einen sehr ausgeglichenen, sympathischen Eindruck und zeigte dennoch wilde Entschlossenheit, alles in Grund und Boden zu rocken, was sich ihm und seiner Combo in den Weg stellt.
Ein offizielles Statement der Band war für heute angekündigt, lässt aber bis dato auf sich warten. Wer die Denim Demons noch einmal in ihrer legendären Besetzung sehen will, sollte sich schnellstens einen Flug sichern.
Des weiteren ist dieser Tage eine Biographie der Band erschienen. Allerdings gibt es das bis jetzt nur auf Norwegisch. Es trägt den Titel "TRBNGR - Sagaen om Denimfolket" ("Die Saga des Denimvolks"), geschrieben hat es Håkon Moslet. Er gilt laut Wikipedia Norwegen als einer der "mektigste menn i musikk-norge". Kaufen kann man den Schinken für saftige 39 Euro (plus Versand) hier.
irgendwie meinte ich offensichtlich fälschlicherweise, dass sich quit your dayjob aufgelöst hatten. als ich sie im märz 06 mit danko jones im postbahnhof zu berlin sah, machte das wort die runde, dies wäre einer ihrer letzten livegigs. um so mehr freute ich mich, als vor zwei wochen die neue qyd-platte "tools for fools" reinkam. im großen und ganzen hat sich am sound der drei wirklich durchgeknallten malmöer nicht viel geändert. ihr frenetischer hochgeschwindigkeits-synthie electro-punk trifft jetzt aber auf mehr rap-elemente, ein quäntchen mehr hörbarkeit und besitzt mitunter sogar so etwas wie ohrwurmpotential. mein favorit nach zwei hördurchgängen: das cool gerapcroonte "police are coming" mit jazzsaxophon. the clash meets klapse.
bei myspace kann man die beiden neuen stücke "bodypoppers" und "crime is ahead of technology" hören.
tags electro, gaga, malmö, musik, punk, quit your dayjob, tools for fools
okay, okay, ich höre schon die einwände, was schreibt der matze denn jetzt über eine belgische band, hier gehts doch um skandinavische bands?! ich erkläre belgien zu skandinavien zugehörig. basta! folgender text entstand im überschwang nach dem soulwax-konzert in der maria am vergangenen freitag.
Grüner Polo ist das Codewort. Ich stehe auf der Osloer Straße im weder schäbigen noch sonst wie interessanter Teil des Weddings und warte auf Endi. Wir wollen aufs Soulwax-Konzert. Endi kommt vom Fußball und hat auf der Euphorieautobahn die Auffahrt 5:0 Auswärtssieg genommen. Die Kiste, in der er mich aufliest, entpuppt sich als Peugeot, im Innern sitzen außer meinem Konzert-/Studien-/Fußball-/Arbeitskumpan noch seine kleine Schwester Gundula (zu Besuch in Berlin), ein Kerl namens Bio (wie in Biohazard) und dicke Rauchschwaden. Alle drei Dampfen, was das Zeug hält und Bio schnippt mir zur Begrüßung einen Zigarettenstummel in den Schritt.
Bei der Ankunft an der Maria, dem Club am Spreeufer, stehen wir vor geschlossenen Türen. Zehn Uhr ist offensichtlich noch keine Zeit für die Partycrowd. Aber Gundula und Bio haben noch keine Karten, so empfiehlt sich frühes Aufstellen an der Stechuhr. Und tatsächlich formiert sich bis halb elf eine kleine Schlange vor der Tür. Im Hinterzimmer der Maria, dem Josef, läuft heute dankenswerterweise kein Bollertechno, so tauschen Gundula (was für Eltern nennen ihr Kind Gundula?) und ich uns bei Astra über Sozialarbeit mit Prostituierten und Baltikumurlaub in der Nebensaison aus.
Irgendwann gesellt sich Philipp dazu, bei dem ich jedes Mal, wenn ich ihn sehe, denke, wie passend doch sein Spitzname Slim ist. Der versucht, mir die Vorzüge ganz bestimmter Indiebands zu vermitteln, deren Namen ich mittlerweile natürlich längst wieder vergessen habe. Irgendwann fängt es von nebenan etwas lauter an zu rummsen, das muss wohl der Herr Zombie Nation aus München sein. Philipp schleppt mich nach vorne, und siehe da, das bärtige Kerlchen dreht schon erfreulich munter an seiner Armada von Knöpfen, so dass die ersten Partypeople fleißig die Gliedmaßen ausschütteln.
Auch ich versetze meinen Körper langsam in Tanzmodus, das heißt: Erst nickt der Kopf, dann löse ich die Arme aus der Verschränkung, zuletzt, quasi als Ehrerbietung vor dem Act, bewegen sich die Füße. Direkt vor mir tanzen zwei Mittdreißiger einen äußerst bekloppten Tanz, bei dem sie sich eine Art Fechtkampf mit den Unterarmen bieten. So sieht das wohl aus, wenn man zu lange auf der Hiwi-Stelle in Sozialpsychologie sitzen bleibt.
Mir ists egal, ich erweise Zombie Nation steppenderweise meine Hochachtung, und auch der Rest des Clubs wähnt sich scheinbar stellenweise schon beim Hauptact. Nachdem der Herr aus dem Land der Untoten sich artig fürs Mittanzen bedankt hat, überbrückt ein reichlich prolliger DJ mit noch prolligerer Entourage aber solidem Plattensortiment die erfreulich kurze Pause zu Soulwax. Ich führe noch schnell per SMS gesandte Bierholbefehle von Endi aus, und hastduihnichtgesehen stehen beim ersten Schluck aus der neuen Astra-Pulle schon die beiden Flying Dewaele Brothers samt Drummer und Bassist auf den Planken.
Ganz in weiß, bedauerlicherweise ohne Blumenstrauß, aber mit nicht gebundenen Fliegen stehen sie da und grinsen wahrscheinlich feist in sich hinein, denn nur sie wissen, wie sie es in den nächsten gut fünfzig Minuten dem Publikum besorgen werden. Wissen, dass sie einen Haufen Tanzleichen zurücklassen werden, die sich in postorgiastischen Zuckungen winden werden. Die ein debiles Grinsen ins Gesicht gemeißelt mit nach Hause nehmen. Die wahrscheinlich auf dem Nachhauseweg in verzücktem Verwirrungszustand gegen Bäume laufen. Dabei beruht alles auf einer fies kalkulierten Lüge.
Das Konzert von Soulwax war angekündigt worden als die Live-Präsentation ihrer letzten Platte „Nite Versions“. Stattdessen spielt das Quartett einfach die Remixe, die Soulwax im Laufe der Jahre für Acts wie Kylie Minogue, Robbie Williams oder The Gossip angefertigt haben. Das muss man sich mal auf der Pupille zergehen lassen: Sie spielen ihre Remixe. Live. Gesangsspuren wie die von Ladytrons „Seventeen“ brät Stephen Dewaele kurzerhand selbst ins Mikrofon.
Schon nach kurzer Zeit hat der letzte im Club verstanden, wie der Hase läuft, und obwohl noch niemand diese Musik so gehört hat, breitet sich Ekstase schneller aus als der heimtückische Virus in einem amerikanischen Thriller. Das Publikum tanzt, als ginge es um den Eintritt ins Nirvana. Der Vierer auf der Bühne findet sichtlich Gefallen an der Folgsamkeit der Konzertgänger und legt eine Schüppe nach der anderen drauf. Spielt mal kurz Daft Punks „Robot Rock“ an oder Justices „Phantom Pt.2“. Und bekommt es mit hundertfachem Gejohle gedankt.
Immer wieder drehe ich mich ungläubig zu Endi. Auf seinen Lippen formen sich Worte wie „unglaublich“ oder „Wahnsinn“, auf meinen Lippen formen sich Worte wie „Du stehst auf meinem Fuß“. Hören können wir beide nichts, aber das ist egal. Die Musik verbindet unsere Gehirnwellen. Oder zumindest synchronisiert sie unsere Bewegungen. Nicht oft sehen zwei Spacken wie wir so cool aus. Soulwax können so was bewerkstelligen. Soulwax könnten an diesem Abend wahrscheinlich sogar Wasser zu Wein machen, aber sie haben ja die ganze Zeit ihre Finger an den Instrumenten.
Zwischendurch hängt sich David immer wieder die Gitarre um und verleiht dem Set das nötig Quäntchen Rock. Ansonsten fließen die Nummern wie selbstverständlich ineinander, Soulwax machen durch und in einer knappen Stunde das Publikum alle. Spätestens in dem Moment, in dem sie ihren Klaxons-Remix von "Gravity's Rainbow" intonieren, bin ich soweit, ins nächste Tätowierstudio zu marschieren und mir den Namen Dewaele in Fraktur quer über die Brust stechen zu lassen.
Und irgendwann, kurz nach The Gossips „Standing In The Way Of Control“, ist alles plötzlich vorbei. Soulwax sagen artig „Dank u“ und verschwinden von der Bühne. Zugaben sind hier fehl am Platz, und so dreht der DJ mit der Proletenentourage schon wieder an den Rädern. Für uns ist der Abend gelaufen, Endi, Gundula, Bio und ich strahlen wie Atomkraftwerke und beschließen, auf dem Heimweg in verzücktem Verwirrungszustand gegen Bäume laufen.
tags 2 many djs, berlin, konzert, maria am ufer, musik, soulwax
mit hello saferide:
hello saferide - i wonder who is like this one
entstanden auf einem promoausflug nach brasilien. mit dabei waren auch suburban kids with biblical names und maia hirasawa, deren videos in punkto originalität nur geringfügig vom oben gezeigten abweichen.
"plug in to success" empfiehlt die diesjährige popkomm. ein großteil der musikalischen landschaft pilgert daher nach berlin und sucht den passenden anschluss.
die sympathischen menschen von under the stars, me nehmen das zum anlass ein paar ihrer bands bei ihrem klang klang klang festival zu präsentieren, darunter auch drei schwedische acts. nicht, dass es schwedischen musikern an anschluss mangeln würde. gerade dieser herbst hält unglaublich schöne melancholische indierock und popmusik bereit.
den heutigen auftakt bestreitet im rosis's neben landscape izuma, ter haar und a life a song a cigarette auch der göteborger björn kleinhenz mit band.
morgen geht es im schokoladen weiter mit the je ne sais quoi und the book of daniel (und condre scr).
jeder abend kostet erschwingliche sieben euro und das kombiticket 15 (im vorverkauf). für das kombiticket gibt es noch am 22.09. einen dritten musikabend im nbi, allerdings ohne skandinavische beteligten.
und als wäre berlin in diesen tagen und grundsätzlich nicht schon genug mit guten konzerten gesegnet, spielen heute im zapata the soundtrack of our lives und division of laura lee im rahmen der swedish independent night auf, während sich josé gonzález zeitgleich im bang bang club verdingt. wohl dem der auf dem land lebt und von so einem abend nur träumen kann.
mit "our ill wills" haben die shout out louds ein super sommer-album vorgelegt dessen einziges problem darin lag, dass es keinen sommer gab. wer nicht schon im april bei schönstem sonnenschein mit seinem herzmensch an einem platz in der sonne lag und diesen herrlichen zwölf lieder lauschen durfte, dem entging ein stück vom glück. in der trüben regenbrühe der folgenden monate konnten die lieder aber auch so wachsen.
nun künden die ersten sonnenstrahlen vom bevorstehenden goldenen herbst und die spatzen pfeifen schon länger die tourdaten der schweden (siehe unten) von den dächern. welche zauberhafte stimmung die schweden erzeugen setzt bassist ted malmros im video zu "impossible" rund um gröna lund, einen vernügungspark auf der insel djurgården, sehr gelungen um:
tourdaten:
* 18.09. köln, prime club
* 19.09. münchen, backstage
* 22.09. erlangen, e-werk
* 24.09. heidelberg, karlstorbahnhof
* 27.09. dresden, messehalle
* 28.09. leipzig, arena
* 29.09. hamburg, reeperbahn (reeperbahnfestival 2007)
* 30.09. regensburg, donau arena
* 01.10. berlin, postbahnhof
einmal mehr beweist josé gonzález sein gespür für gelungene lieder anderer musiker, denen er in neuem gewand ein völlig eigenes leben einhauchen kann. "heartbeats" liegt noch in den ohren? dann kuschelt sich nun "teardrops" dazu:
tags cover, josé gonzález, massive attack, melancholie, musik, schweden, song
zu loney dear wird es in den kommenden monaten sicher noch einiges zu erzählen geben. den anfang bestreitet der emil svanängen selbst:
tags loney dear, musik, saturday waits, schweden, video
der fitnesswahn ist etwas, was sich mir nur gedanklich erschließt und das auch nur mit mühe. nach einem gescheiterten versuch das joggen zum alltagsereigniss hochzustilisieren konzentriere ich mich zur zeit auf den kneipensport (z.b. pingpong in der kantine). einen interessanten ansatz bietet einmal mehr stockholm und södermalm im speziellen.
im vintervikens trädgård findet einmal in der woche indiegympa, die indie-gymnastik, statt. dabei handelt es sich um eine fitnesseinheit deren übungen sich an "klassische" musikvideos anlehnen, musikalisch untermalt von "alternativ pop" - was in schweden populäre gruppen wie the smiths, belle & sebastian oder sämtliche twee-pop-musiker umfasst.
wer sich gerade in stockholm befindet und passende klamotten zur hand hat, ist hier richtig. die nächsten termine sind der 23. und 30. august jeweils 18 uhr.
(via dagens nyheter)
es gäbe sicher viele künstler aus schweden, mit denen ich hier anfangen könnte. ganz im speziellen wären das hello saferide / säkert!, i'm from barcelona oder peter bjorn & john. alle gesehen und von allen verzaubert worden. ganz besondern natürlich von frau norlin. notiz an mich: immer ein paar socken dabei haben um der dame die angst vor meinen füßen zu nehmen!
dennoch widme ich mich hier robyn.
die wasserstoffplonte stockholmerin ist trotz ihrer 28 jahre schon ein alter hase im musikgeschäft. seit 13 jahren verfolgt die das was man gemeinhin karriere nennt und erlebte mit singles in den us-top-10 höhen und zurückgehaltenen alben seitens der plattenfirmen auch ein paar tiefen. viele sahen in ihr eine schwedische britney oder die skandinavische antwort auf das genie in der flasche, was früher oder später zu problemen führen musste. in jungen jahren eignete sich robyn sicher mangels erfahrung zu einer hübschen marionette, aber man unterschätzte offenbar ihren charakter.
da einige dinge nicht wunschgemäß verliefen kaufte sich die musikerin aus ihren verträgen frei, gründete einen eigenen verlag, konichiwa records, und landete prompt mit der ersten veröffentlichung und gleichzeitig ihrem vierten album auf platz eins der schwedischen charts. fm4 feiert die frau, ebenso wie laut.de. auch perez hilton drückt seine wertschätzung aus und ich bin mir sicher, dass da noch einige dazu kommen werden. denn das selbstbetitelte album enthält feinsten pop, der von breakbeats, hiphop und techno bis hin zu klavierballaden ein breites spektrum abdeckt und dabei so elegant charmant zitiert, dass es einem wohlig ums herz wird. ja, es ist harmlos, es tut niemanden weh, auch wenn manchmal jungs eine abfuhr erhalten ("bum like you") oder die sängerin ihr ego auf hochglanz poliert ("konichiwa bitches"). trotzdem unterhält "robyn" auf eine art und weise wie es nur wenigen popalben gelingen mag. man erwischt sich beim mitsummen und schämt sich nicht dafür. außerdem besitzen sehr viele lieder ein eigenes spannendes potential. aus dem aufgeregten dringlichen "be mine!" kann dann mal eben ein melancholisch eindringliches werden:
und weil mich das gesamte album mit jedem durchlauf immer mehr begeistert, erhält robyn heute den vorzug. außerdem ist nun der druck des ersten eintrags überstanden...
offizielle homepage: robyn
myspace